(*Er ist an der Universität Konstanz studentischer Senator und Vorsitzender der Studierendenvertretung. Er tritt hier als Privatperson auf.)
Die Hochschule ist als Demokratie gedacht
Hochschulen sind Selbstverwaltungskörperschaften. Dieser juristische Begriff bedeutet, dass sie nicht in die allgemeine („unmittelbare“) Staatsverwaltung eingegliedert sind, sondern sich quasi selbst regieren. Die Idee dahinter ist, dass durch Sachnähe bessere Entscheidungen getroffen und die Wissenschaftsfreiheit sicher gestellt werden kann. Diese Selbstregierung ist dabei legitimiert durch ihre Mitglieder, das sind alle Angehörigen, also Professoren, Angestellte und Studierende. Diese dürfen die Entscheidungen, die die Hochschule betreffen, selbst treffen – sofern gesetzlich nichts zwingend vorgegeben ist. Und auch bei den gesetzlichen Vorgaben stellt die Wissenschaftsfreiheit verfassungsrechtliche Grenzen.
Das Gefühl fehlt
Spiegelt sich das auch bei den Studierenden wieder? Im Alltag der Mehrheit wohl nicht.
Die Hochschule dürfte den meisten Studierenden als eine Einrichtung der Obrigkeit erscheinen. Das beginnt mit der Entscheidung über die Zulassung zum Studiengang, daran schließt sich die Prüfungsordnung mit ihren Vorgaben über Module und ECTS an und wenn man irgendwann das hohe Prüfungsamt zufrieden gestellt hat, bekommt man das Blatt mit dem wertvollen Stempel.
Kreativität und Selbstbestimmung stehen oftmals Satzungen oder Entscheidungen von Fachbereichen oder Prüfungsämtern entgegen. Wenn man etwas verändern möchte, hört man oft, dies sei mit dieser Satzung nicht möglich oder jener Abteilungsleiter gebe seine Zustimmung nicht.
Strategische grundsätzliche Überlegungen stechen erst recht nicht ins Interesse der Studierenden.. Was ist das Selbstbild der Hochschule, in welchen Bereichen wollen wir forschen, warum ist die Universität Konstanz keine Exzellenzuniversität mehr? Dies scheint Studierende nicht unmittelbar zu betreffen, entsprechend weit weg finden diese Entscheidungen und Diskussionen statt.
Die Macht fehlt
Dabei können Studierende bei all diesen Themen mitreden. Als Mitglieder der Selbstverwaltung sind sie in allen beschlussfassenden Gremien vertreten. Aber können sie tatsächlich etwas verändern? Nun ja. Das zentrale und wichtigste Gremium der Hochschule ist der Senat. Dieser besteht an der Universität Konstanz aus 35 stimmberechtigten Mitgliedern, 5 davon Studierende.
Die zahlenmäßigen Verhältnisse bildet dies nicht ab: Die Universität Konstanz hat etwa 12.000 Mitglieder: 2.000 Angestellte, 300 Professuren und 9.500 Studierende.1 Dennoch sind Professoren 18 mal im Senat vertreten. Sie haben damit eine Mehrheit – begründet wird dies mit verfassungsrechtlicher Notwendigkeit.2 Gemeinsam können sie alles durchsetzen – oder verhindern. Entsprechend dominieren sie die Diskussionen im Senat und anderen Gremien (die ähnlich aufgebaut sind).
Der Einblick fehlt
Aber auch andere Faktoren schwächen den Einfluss der Studierenden: Oben wurde es bereits angedeutet: Die strategischen Entwicklungen, Diskussionen und Entscheidungen fliegen an den Studierenden vorbei. Ihre Auswirkungen können zwar alle wahrnehmen in Form von Qualität von Forschung, Lehre und Infrastruktur. Aufregen tut man sich dann gerne – über die da oben. Die eigene Mitwirkung wird verkannt und ist oftmals realistischerweise auch gar nicht vorhanden. Die zugrundeliegenden Ursachen liegen oftmals weit im Hintergrund. Versteckt hinter Zeit, rechtlicher Komplexität und verschiedenen Gremien. Warum geht etwas nicht? Nun, weil das Geld fehlt. Um das zu beschaffen, muss umstrukturiert oder umgeschichtet werden, eine komplizierte Angelegenheit. Oftmals reichen die Einblicke nicht mal, um überhaupt sinnvolle Forderungen aufzustellen. Das soll besser werden. Aber wie kann man das erreichen, an welcher Stelle läuft etwas schlecht?
Beispiel Senat
Zoomen wir etwas rein in eine (standardmäßig nichtöffentliche) Sitzung des Senats: Die meisten Tagesordnungspunkte betreffen Berufungen von Professuren und Änderungen von Prüfungsordnungen. Studierende beteiligen sich nicht an solchen Diskussionen, es fehlt der Einblick. Zugegebenermaßen kommen auch von sonstigen Mitgliedern nur wenige Beiträge. Der Grund ist: Der Senat ist (fast3) immer das letzte Gremium, das über etwas entscheidet. Insbesondere die genannten Themen wurden vorher in Findungskommissionen, Fachbereichs- und Sektionsräten behandelt. Der Senat vertraut im Allgemeinen ihrer Entscheidung, die studentischen Senatoren müssen den studentischen Mitgliedern in den Gremien vertrauen.
Wissensvorsprung
Die Machtlosigkeit der Studierenden zeigt sich eher bei anderen Themen. Nehmen wir Diskussionen über Strukturen, zuletzt etwa über Verfahren zur Berufung von Juniorprofessuren. Durchaus ein wichtiges Thema, bei dem grundsätzlich auch die studentische Perspektive miteinbezogen werden sollte – schließlich geht es auch wesentlich um Lehrpersonal. Die studentischen Senatoren sind wieder still. Warum? Sie haben keine Ahnung. Manch einer mag mit Begriffen wie TenureTrack grob etwas anzufangen wissen, sobald es aber ins Detail geht, zieht man sich zurück. Und die, die es nicht tun, blamieren sich mit unqualifizierten Aussagen, die auch niemanden weiter bringen. Allgemeine Erklärungen gibt es keine. Die Mehrheit der Anwesenden hat bereits mindestens einmal selbst ein Berufungsverfahren durchlaufen und bekommt diese Prozesse teilweise seit Jahrzehnten direkt mit. Und: Sie sitzen auch schon länger im Senat. Studierende werden für eine Amtszeit von einem Jahr gewählt, alle anderen für vier Jahre.4 In den ersten Sitzungen einer Professoren-Amtszeit dürfte es ein paar Erklärungen geben, neuen Studierenden kann nicht immer alles erklärt werden, zumal es auch während der Amtszeit oftmals Verschiebungen durch vorzeitiges Ausscheiden oder Abwesenheiten gibt. Selbst wenn allgemeines Wissen vorhanden wäre fehlt das konkrete Wissen: Projekte dauern oftmals länger als Wahlperioden. Man kann schlecht mitdiskutieren, wenn sich eine Diskussion bereits über mehrere Jahre hinweg entwickelt hat. Wer Zahlen vorgelegt bekommt, kann diese schlecht bewerten, wenn er nicht die Zahlen der letzten Jahre kennt und Entwicklungen einschätzen kann.
Das Engagement fehlt
Hinzu kommen weitere Probleme: Durch die oben dargestellte gefühlte Machtlosigkeit der Studierenden gibt es nur wenige Studierende, die sich einbringen wollen. Besonders auffällig ist dies bei dem thematischen Gremien, meist Ausschüsse genannt. Eine ganze Reihe gibt es dafür (für Lehre, IT, Lehrräume, Ethik, Förderungen, …) und in jedem dürfen ein bis drei Studierende vertreten sein. Meist gelingt es nicht, diese Positionen voll zu besetzen. Die in diesen Gremien vorbereiteten Entscheidungen landen dann am Ende zum Beschluss in den Senat, wo man sich dann nicht mehr im Detail damit beschäftigen kann. Durch die mangelnde Auswahl findet auch kein Wettbewerb bei den Bewerbungen für die Gremien statt. Es gibt keinen Überblick, ob diese tatsächlich studentische Perspektiven einbringen – zugegebenermaßen ist dies aber durch die oben anhand des Senats dargestellten Problemen teilweise auch in den thematischen Gremien schwierig. Im Senat hat dies zur Folge, dass die fünf studentischen Senatoren meist nicht vollzählig anwesend sind. Obwohl es ausreichend Nachrücker gibt, scheitert dies oftmals daran, dass abwesende Senatoren sich nicht rechtzeitig abmelden.
Die Vernetzung fehlt
Fehlendes individuelles Wissen kann durch kollektives Wissen ersetzt werden. Professoren sind gut vernetzt. Ein großer Teil von ihnen saß schon mal in irgendeinem Gremium. Sie besitzen die Gelegenheit und die intellektuellen und sozialen Fähigkeiten, sich insbesondere in Fachbereichsrunden auszutauschen. Sie können sich damit über Kontexte informieren und wissen, was die Meinungen in ihrer Gruppe sind. Bei Studierenden gestaltet sich dies schwerer. Unter knapp 10.000 Studierenden ist es schier unmöglich, allgemeine Meinungen festzustellen. Die bereits gezeigten strukturellen Nachteile zeigen sich hier potenziert: Kaum jemand weiß etwas, kaum jemanden interessiert es. Selbst die Absprache der studentischen Senatoren untereinander und mit den thematisch zuständigen Gremien der Studierendenvertretung funktioniert in der Praxis schlecht.
Letzteres zeigt sich an einem aktuellen Beispiel: Im Team des Prorektors für Lehre kam die Idee auf, die Lehrveranstaltungsslots zu ändern, sodass diese künftig zwei Stunden dauern und eine halbe Stunde Pause enthalten. Für und dagegen gibt es einige sinnvolle Argumente, auf diese soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Das Thema gelangte in die Fachschaftskonferenz (FSK), dem in der Studierendenvertretung zuständigen Gremium, das sich dagegen positionierte. Auf Uni-Seite wurde dann in dem Ausschuss für Lehre und Weiterbildung ein Beschluss für die Umstellung gefasst – mit der Zustimmung aller drei studentischen Mitglieder. Diese hatten von der Diskussion in der Fachschaftskonferenz und den dort vorgebrachten Gegenargumenten nichts mitbekommen. Als schließlich die endgültige Entscheidung im Senat getroffen wurde erfolgte diese gegen die Stimmen aller fünf studentischen Senatoren, diese waren entsprechend informiert. Dennoch gab es eine große Mehrheit für den Antrag, eine ausführliche Diskussion fand nicht mehr statt.
Die Studierenden haben eine Bringschuld
Die Angelegenheit ist in weiterer Hinsicht ein Negativbeispiel: Über das geplante Vorhaben wurde in der Fachschaftskonferenz und weiteren studentischen Gremien das erste Mal letzten Sommer berichtet. In der Fachschaftskonferenz gab es ein eher negatives Meinungsbild, in allen Gremien war kein besonderes Interesse an dem Thema festzustellen, folglich wurde kein besonderes Lobbying unternommen. Erst nachdem der Beschluss vom Ausschuss für Lehre und Weiterbildung und Senat endgültig getroffen wurde, regte sich größerer Widerstand in den Fachschaften. Während man zu einem früheren Zeitpunkt die Entscheidung durchaus noch beeinflussen hätte können, war es nun nicht mehr möglich. Die Folge war Verdruss über die Entscheidung der Universität.
Hier zeigt sich die Verkennung der Entscheidungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten der Studierenden. Mehr oder weniger aus Zufall wäre gerade hier eine frühzeitige Beteiligung möglich gewesen, bei vielen anderen Themen gelangen diese überhaupt nicht in die studentischen Gremien, bis diese endgültig beschlossen wurden und teilweise sogar erst eine Weile danach.
Die Antwort der Universität auf dieses strukturelle Problem: In allen wesentlichen Gremien ist eine studentische Beteiligung vorgesehen. Diese muss genutzt werden: Zunächst muss der Posten besetzt werden und weiter müssen sich die Mitglieder vernetzen und in andere Gremien berichten.
Die Öffentlichkeit fehlt
Was kann die Uni besser machen? Für die Beantwortung lohnt es sich, etwas zurück zu treten. Die Hochschule ist eine Selbstverwaltungskörperschaft. Das heißt, der Staat regiert nicht durch, sondern die Hochschule bildet einen eigenen Staat. Die Voraussetzungen sind gegeben: Staatsvolk (Mitglieder), Staatsgebiet (zumindest inhaltlich) und Staatsgewalt. Eine Teilsouveränität ist durch das Landeshochschulgesetz und die Wissenschaftsfreiheit gegeben.
Als legislative Organe bestehen auf föderaler Ebene Fachbereichs- und Sektionsräte, auf zentraler Ebene der Senat. Die Regierung ist das vom Senat gewählte Rektorat, dem die Rektorin als Regierungschefin vorsteht. Der Senat wird direkt gewählt, muss wesentliche Entscheidungen selbst treffen und kontrolliert in gewisser Weise das Rektorat. Die formalen Voraussetzungen einer Demokratie sind also erfüllt. Doch wenn man sie mit dem politischen System eines tatsächlichen demokratischen Staates vergleicht, fehlt ein ganz wesentlicher Teil: die Öffentlichkeit. Die Legitimation und damit Quelle der politischen Entscheidung geschieht durch die universitären Wahlen. Gewählt wird dabei irgendjemand. Die Gremien treffen dann nicht-öffentlich irgendwelche Entscheidungen und am Ende ist es gut oder nicht, man kann sich dann ärgern oder freuen.
Ein aktuelles und plakatives Beispiel: Der Senat und der Universitätsrat müssen demnächst eine neue Rektorin oder einen neuen Rektor wählen. Es handelt sich dabei um die wichtigste Personalie einer Hochschule, die Person von der am meisten die Entwicklung, die Entscheidungen und der Erfolg der Hochschule abhängen. Eine Person, die eine Organisation mit 12.000 Mitgliedern leitet und von diesen demokratisch legitimiert sein soll. Es wurde eine Findungskommission eingesetzt, die nun dem Senat und Universitätsrat einen Wahlvorschlag vorgelegt hat. Dessen Inhalt bleibt darüber hinaus zunächst geheim, selbst die Information über die Anzahl der enthaltenen Bewerbenden ist nicht öffentlich. In den drei vergangenen Sitzungen im Senat wurde darüber diskutiert, wie das Verfahren laufen soll. Zentrale Frage war: Soll es eine öffentliche Anhörung des oder der Bewerbenden geben? Die Alternative wäre eine nichtöffentliche Anhörung im Senat und eine öffentliche Vorstellung. Der Senat hat sich mit großer Mehrheit dafür entschieden und damit mit der bisherigen Praxis gebrochen. Zu groß sei die Sorge um eine Polarisierung, eines unnötigen in die Öffentlichkeit Ziehens, einer Beschädigung der Person oder Personen. Die Senatsmitglieder würden schließlich über die Personalie entscheiden und könnten sich etwa auch durch die Einsicht in die Bewerbungsunterlagen ein umfassendes Bild machen.
Allerdings werden hier Chancen verpasst, diesen demokratischen Prozess stärker als einen solchen darzustellen. Für die Studierenden ist das Rektorat etwas, das ihnen vorgesetzt wird, nichts, was sie mittelbar wählen. Die Entscheidungen des Senats sind für sie überwiegend nicht nachvollziehbar, weil die in nichtöffentlicher Sitzung getroffen werden. Letztlich bleibt nur ein Vertrauen in die gewählten Vertreter, deren Arbeit sie nicht überprüfen können. Die Studierenden sind hier gegenüber allen anderen Statusgruppen im Nachteil. Das Verhältnis zwischen Angehörigen der Gruppe und Vertretern im Senat liegt bei etwa 1 zu 2000, bei den Professoren ist es 1 zu 17. Professoren kennen sich gegenseitig. Sie wissen, wem sie vertrauen können, wer ihre Interessen vertritt. Sie sind vernetzt. Hinter vorgehaltener Hand wird gesagt, dass man die Vertraulichkeit auch nicht so eng sehen müsse. Die notwendigen Informationen sprechen sich also herum. Es besteht eine Öffentlichkeit mit demokratischen Prozessen.
Bei den Studierenden ist dies nicht der Fall. Die einzige Möglichkeit, größere Mengen an Studierenden zu erreichen, sind öffentliche Mitteilungen. In diese lassen sich deutlich weniger Informationen verpacken und weniger Rücklauf generieren als bei Ganggesprächen. Und ja, am Ende treffen die Senatoren selbstständig die Entscheidung, aber eine Demokratie sieht eine Rückkopplung an das Wahlvolk vor; Sie müssen sich diesen erklären und dies ist nur möglich, wenn wesentliche Informationen öffentlich sind.
Sofern es zwei Personen im Wahlvorschlag gibt, handelt es sich hier tatsächlich mal nicht um eine Formalia. Die Wahlergebnisse fallen durchaus oftmals knapp aus, die studentische Senatoren können das Zünglein an der Wage sein. Eine einmalige Chance, zu zeigen, dass es wichtig ist, wen man in solche Gremien wählt.
Ein anderer Aspekt ist hier auch wichtig: Man befürchtet, dass die Kandidierenden mit unangenehmen Fragen in der Öffentlichkeit an den Pranger gestellt würden. Dabei handelt es sich hierbei gerade um ein politisches Amt, das erfordert, dass auch in unangenehmen Drucksituationen souverän und nachvollziehbar gehandelt wird. Wer Demokratie pflegen will, muss auch fordern, dass Amtsträger sich öffentlich verantworten.
Tatsächlich ist man eher auf Harmonie bedacht, was öfters als Qualitätsmerkmal der Universität Konstanz hervorgehoben wird. Man könne ja diskutieren, aber im angemessenen Rahmen. Der angemessene Rahmen bedeutet in der Regel: nichtöffentlich. Dies wird deutlich, wenn ein Vorsitz der Studierendenvertretung nach der Verkündung des Exzellenzverlustes in einem Zeitungsinterview eine öffentliche Aufarbeitung fordert und dafür aus Reihen der Unileitung – nichtöffentlich – kritisiert wird. Die Themen würden behandelt – im Senat. Wie oben dargestellt erlaubt dies der Professorenschaft eine Teilnahme, der Studierendenschaft nicht. Diese bleibt in der Breite sehr ratlos, was die Ursachen und Folgen des Verlustes sind.5
Mehr Vernetzung
Auf Seiten der Studierenden ergibt sich der Appell, den strukturellen Nachteilen strukturell entgegen zu setzen. Hier kann insbesondere die Studierendenvertretung (StuVe) aktiv werden. Formal steht diese bei den aufgeführten Angelegenheiten an der Seitenlinie. Die studentischen Vertreter in den universitären Gremien sind (formal6) unabhängig von der StuVe. Dabei kann diese als Plattform dienen und tut dies oftmals auch. In der Praxis geschieht dies oftmals durch personelle Überschneidungen, also Menschen, die Ämter sowohl in universitären als auch in studentischen Gremien wahrnehmen. Diese punktuelle ehrenamtliche Aufopferung einzelner Personen kompensiert das Fehlen einer strukturellen Lösung, verhindert aber gleichzeitig auch ihre Entwicklung: Einen systematischen beiderseitigen Austausch. Die studentischen Mitglieder in den Gremien müssen relevante Themen identifizieren, die StuVe muss Strukturen schaffen, um diese Informationen entgegen zu nehmen, Diskussionen unter angemessener Beteiligung durchzuführen und die Ergebnisse an die entsprechenden Gremien zurück zu tragen. Auch können damit Probleme und Forderungen, die in den studentischen Gremien auftauchen, zielgerichtet weitergeleitet werden. Die Mitglieder in den universitären Gremien sind dann freilich nicht irgendwelche Entscheidungen gebunden, aber es besteht ein klarer Druck und in der Praxis dürfte meist kein größerer Anlass bestehen, sich dem zu verwehren.
Integriert werden muss ein strukturelles Wissensmanagement. Nur durch ein solches kann der großen Fluktuation entgegen gearbeitet werden. Strukturell bedeutet hierbei, dass Prozesse geschaffen werden, die von einzelnen Personen unabhängig funktionieren.
Bei Themen, die als wichtig erachtet werden, kann ein taktisches Vorgehen geplant werden, das etwa das aktive Zugehen auf Personen oder Öffentlichkeitsarbeit vorsieht.
Konkret dürften sich dafür die Ausschüsse der Fachschaftskonferenz und des Studierendenparlaments eignen. Erste Schritte wurden dabei bereits unternommen.
Ausblick
Für die Hochschule als Mikrokosmos gilt ähnliches wie für den Nationalstaat: Es ist eine Demokratie, man muss sie aber auch leben. Und das ist nicht einfach getan mit plumpen Forderungen; wer wirklich etwas verändern will, muss sich mit Dingen beschäftigen, Prozesse verstehen und an den richtigen Stellen eingreifen. Dieser Text setzt an einem Grundproblem an: Dem fehlenden Bewusstsein. Er möchte anregen zu Gedanken, Diskussionen und Taten. Und er zeigt Lösungen auf verschiedenen Ebenen auf. Lasst uns zusammen an diesen arbeiten.
Das war dir alles ziemlich abstrakt? Kein Problem, mitwirken kannst du auch ganz konkret, etwa in dem du dich für universitäre Gremien. Informationen dazu findest du hier: https://www.stuve-uni-kn.de/mitmachen/
Fußnoten
1 Grobe Zahlen nach https://www.uni-konstanz.de/abteilung-finanzen-und-controlling/controlling/zahlen-und-fakten/
2 Dies ist auch nur eingeschränkt der Fall: https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/bvg25-111.html
3 Ausnahme sind wenige Entscheidungen, die die Bestätigung des Universitätsrates oder des Wissenschaftsministeriums bedürfen.
4 § 6 Abs. 2 Grundordnung der Universität Konstanz
5 Auch Eingeweihte bleiben an der Stelle eher ratlos, aber das hat andere Gründe.
6 Die Mitglieder in den inhaltlichen Gremien werden durch die Fachschaftskonferenz gewählt, dadurch besteht eine gewisse ideelle Rechenschaftspflicht, aber keine formale.
